Teslas bald “signifikant teurer”: Elon Musk setzt auf plumpe Vertreter-Tricks


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Elon Musk ist immer für Überraschungen gut.

(Foto: REUTERS)

Dass Tesla-Chef Elon Musk seine Elektroautos zu Robo-Taxis machen will, ist nicht neu. Was das für Tesla-Fans bedeutet, aber schon. Auf Twitter versucht Musk, den Verkauf seiner E-Flitzer mit der ältesten Verkaufsmasche der Welt anzukurbeln.

Die Erfahrung hat gelehrt, dass Elon Musk immer dann am lautesten trommelt, wenn er schlechte Nachrichten kaschieren will. Ob er diesmal seine Geldgeber um den Finger wickeln will oder andere Gründe hat, ist unklar. Fest steht aber: Musk versucht mal wieder, mit fernen Zukunftsvisionen die Geschäfte seiner schwächelnden Autoschmiede anzukurbeln. Dabei setzt er nun sogar auf die älteste Verkaufsmasche der Welt.

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Im April hatte Musk vollmundig einen großen strategischen Schwenk für Tesla angekündigt. Seine Elektroautoschmiede soll ein Mobilitätskonzern werden. Nicht weniger als eine Million Robo-Taxis sollen bereits im kommenden Jahr autonom über die Straßen cruisen. Jeder Tesla-Besitzer wird in diesem Traum zum potenziellen Taxi-Unternehmer. Was das konkret für Tesla-Fans bedeutet, war bislang unklar. Musks jüngster Tweet liefert jetzt zumindest etwas Klarheit.

Auf Twitter fragte das Analysehaus Disruption Research, ob Normalverbraucher möglicherweise nur noch begrenzt Zeit haben, Teslas zu kaufen, ehe jeder Wagen standardmäßig mit dem Full Self-Driving-Computer (FSD) – der automomes Fahren der Stufe 5 möglich macht – ausgestattet wird. Musks Antwort darauf: “Ja”. Aber die Wagen sollen deutlich deutlich teurer werden, stellte Musk klar – und damit sicherlich nicht mehr für jeden erschwinglich.

Plumpe Vertreter-Tricks

Seine Argumentation: Als Roboter-Taxis bringen die Autos den Besitzern mehr Geld ein. Er versorgt Tesla-Fahrer künftig nicht mehr nur mit Elektroautos, sondern auch mit einer lukrativen Geschäftsidee.  Deshalb sollten die Kunden doch noch schnell zugreifen, bevor die Preise steigen, suggeriert Musk in seinem Tweet. Mit dem FSD-Upgrate will die Elektroautoschmiede nach eigenen Angaben im vierten Quartal beginnen. Die Uhr tickt also, deutet Musk an. Einen Tesla-Kauf hinauszuzögern könnte Fans bald teuer zu stehen kommen.

Wie viel genau seine Autos in Zukunft mehr kosten sollen, verrät Musk in seinem Tweet jedoch nicht. Er lässt die Kunden bewusst im Ungewissen: “Signifikant teurer” sollen sie aber werden. Laut dem Branchenportal Electrek könnte der Preis sehr schnell sechsstellig werden. In den USA kostet das Model 3 derzeit zwischen 40.000 und 50.000 Dollar – je nach Ausstattung. Electrek legt für seine Schätzung die Studienergebnisse des Konzerns zugrunde. Demnach könnte ein Tesla-Taxi während seiner Nutzungsdauer 330.000 Dollar einfahren.

Dass Teslas, die als Robo-Taxis fahren, wertvoller sind als Autos, die nur auf dem Parkplatz oder in der Garage stehen, ist grundsätzlich nachvollziehbar. Die Frage ist allerdings, ob diese Vision jemals Wirklichkeit wird. Vollkommen autonom fahrende Autos sind bislang immer noch ein Traum. Und die Konkurrenz von GM (Cruise) und Google (Waymo) sitzt Tesla im Nacken.

Unklar ist auch, ob ein Robo-Taxi von Tesla wirklich sicherer und billiger fährt als ein Taxi mit menschlichem Fahrer und ob sich das Investment für künftige Tesla-Käufer lohnt. Darüber hinaus gibt es noch jede Menge ungeklärter regulatorischen Fragen. Musks Erfolgskonzept für die Zukunft basiert damit auf vielen Ungewissheiten und ist – vorerst zumindest – mal wieder nicht viel mehr als ein wildes Versprechen.

Große Träume, kleine Erfolge

Die Prognosen des Tesla-Visionärs sind häufig genug Luftschlösser geblieben. Entweder erfüllten sich seine Ankündigungen mit großer Verspätung oder er verfehlte seine selbstgesteckten Ziele. Die komplett autonome Fahrt eines Tesla von einer US-Küste zur anderen hatte Musk eigentlich schon für 2017 in Aussicht gestellt. Auch der Hoffnungsträger Model 3 hat diese hohen Erwartungen bislang nicht erfüllt.

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Dass Musk die Werbetrommel für seine Robo-Taxis so plump rührt, dürfte nicht unwesentlich mit der Bilanz-Katastrophe im ersten Quartal zusammenhängen. Der Kurs der Aktie notiert mit gut 230 Dollar immer noch knapp 30 Prozent niedriger als vor einem Jahr. Laut Jahresbericht belaufen sich die Langzeitschulden des Konzerns auf fast 9,4 Milliarden US-Dollar. Alleine für Zinsaufwendungen blätterte Tesla im vergangenen Jahr 663 Millionen Dollar hin. Musk kann eigentlich gar nicht genug Optimismus verbreiten.

Gerade noch zur rechten Zeit meldete Tesla im zweiten Quartal den Absatzrekord von über 95.000 ausgelieferten Fahrzeugen . Das konnte den Vertrauensverlust der Anleger zwar etwas abfedern. Aber Tesla braucht dringend einen Befreiungsschlag. Am 1. April twitterte Musk, Tesla stehe vor der Pleite. Eindringlich appellierte er an die Mitarbeiter zu sparen. Musk muss vor allem Zweifel an seinem Autopiloten aus der Welt schaffen. Der Traum von der Robo-Taxi-Flotte kommt da wie gerufen.

Für den Fall, dass die Verbraucher Tesla den Rücken kehren, prognostiziert Electrek bereits den nächsten Schwenk im Geschäftsmodell: Tesla könnte sich in dem Fall ganz auf Robotaxi-Dienste und statt auf Einzel- auf Flottenverkäufe konzentrieren. Mit dem ursprünglichen Traum vom masssentauglichen Model 3, dem Elektroauto für Jedermann, hätte das dann nicht mehr viel zu tun.



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