Tour de France 2019: Etappensieger Elia Viviani – Aus dem Schatten




Premiere: Erst zum zweiten Mal in seiner Karriere (nach 2014) ist Elia Viviani, immerhin schon 30 Jahre alt, in diesem Jahr für die Tour de France nominiert worden. Beim Team Sky (jetzt Ineos), für die Viviani von 2015 bis 2017 fuhr, hatte man beim Ziel Gesamtsieg keinen Platz für ihn. Sein aktuelles Team Deceuninck-Quick-Step setzte im vergangenen Jahr bei der Tour lieber auf den Kolumbianer Fernando Gaviria. Auf der größten Bühne des Radsports konnte er seine Fähigkeiten lange nicht zeigen. Bei der vierten Etappe der 106. Tour de France holte sich Viviani nun seinen ersten Tagessieg in Frankreich.

Triple: Die Saison verlief für Viviani lange nicht nach Plan. Den Giro d’Italia verließ er nach drei zweiten Plätzen frustriert nach der elften Etappe. “Ich bin nicht in der besten Form und mir fehlt der Glaube an mich selbst”, hatte er im Mai noch gesagt. Zwei Monate später hat sich das geändert. “Ich bin sehr glücklich. Dieser Sieg hat mir noch gefehlt”, sagte Viviani im Ziel. “Ich habe beim Giro und der Vuelta gewonnen – und nun auch bei der Tour de France. Das bedeutet mir viel.” Viviani ist jetzt einer von 18 aktiven Fahrern, die jeweils mindestens eine Etappe bei den drei großen Rundfahrten gewonnen haben.

Das Ergebnis: Viviani gewann den Massensprint vor dem Norweger Alexander Kristoff (UAE) und Caleb Ewan (Lotto Soudal). Peter Sagan (Bora-hansgrohe) und Dylan Groenewegen (Jumbo-Visma) landeten nur auf den Plätzen vier und fünf. Hier geht es zur Zusammenfassung des Rennens.

Die Etappe: Tag vier bei der Tour de France – und zum ersten Mal stand eine klassische Sprintetappe mit einer wirklich flachen Zielankunft auf dem Programm. Daran änderte auch ein kurzer Anstieg 15 Kilometer vor dem Ziel nichts. Dementsprechend viele Mannschaften hatten Interesse an einem Massensprint. Die dreiköpfige Fluchtgruppe des Tages hatte auf dem 213,5 Kilometer langen Tagesabschnitt von Reims nach Nancy keine Chance.

Unzerstörbar: Dass Kasper Asgreen (Deceuninck Quick-Step) bei dieser Etappe zu sehen war, stellte einer freudige Überraschung dar. Schließlich war er am Vortag in einem unachtsamen Moment kurz vor dem Ziel in ein Straßenschild auf einer Verkehrsinsel gekracht. Die Wucht des Aufpralls war dabei so groß, dass sein Rad auseinanderbrach. Asgreen wurde jedoch nur leicht verletzt und trat nach einem Kurzaufenthalt im Krankenhaus auch auf der vierten Etappe in die Pedale. Das Peloton ist nach wie vor vollzählig.

Ein Team, zwei Sprinter: Während Viviani auf einen perfekt ausgeführten Sprintzug vertrauen konnte, schien beim Team Jumbo-Visma die Kommunikation zwischen Groenewegen und seinem Anfahrer Mike Teunissen (der die erste Etappe gewonnen hatte) nicht zu stimmen. So fuhren am Ende beide ihren eigenen Sprint auf gegenüberliegenden Seiten der Straße – und landeten damit auf den Plätzen fünf und sechs. Für Mitfavorit Groenewegen ist das nach seinem Sturz bei der ersten Etappe ein weiteres enttäuschendes Ergebnis.

Blick in die Zukunft: Der Vertrag von Viviani bei Deceuninck Quick-Step endet nach dieser Saison. Wie die französische Zeitung L’Equipe berichtet, könnte er zum französischen Team Cofidis wechseln. Denn bei seinem aktuellen Rennstall ist Viviani nur die Nummer zwei. Der Star ist der Mann im Gelben Trikot, Julian Alaphilippe. “Noch ist nichts entschieden, aber die Tour wird wahrscheinlich den Ausschlag dafür geben, wo ich im nächsten Jahr hingehen werde”, sagte Viviani dem Portal “Cyclingnews”. Seinen Marktwert hat er mit dem Sieg noch einmal gesteigert.

Und nun? Sind die guten Zeiten für die Sprinter schon wieder vorbei. Am Mittwoch bieten sich Chancen für eine Ausreißergruppe. Am Donnerstag könnte es dann zum ersten Showdown der Favoriten kommen – und die Sprinter das erste Mal mit der Karenzzeit kämpfen. Es ist keine angenehme erste Tour-Woche für die schnellen Männer des Pelotons. Außer man heißt Elia Viviani.



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