FC Chelsea gewinnt Europa-League-Finale gegen FC Arsenal




Ort des Spiels: Das steht diesmal am Anfang – weil das Wichtigste an den Anfang gehört. Baku richtet seit 2016 jährlich Formel-1-Rennen aus, war Veranstalter der European Games und wird im nächsten Jahr EM-Spiele sehen. Der Fall Mkhitaryan sorgt jetzt für die große Revolte-Stimmung. Das wird sicher nachhaltig sein, wie man die Sportwelt kennt.

Ort des Spiels II: Dass sich zwei Londoner Vereine für das Finale in 4000 Kilometer Entfernung qualifizieren, dafür kann die Uefa ausnahmsweise nichts. Auch wenn in London an diesem Abend ein paar arbeitslose schöne Stadien herumhingen und nicht wussten, wie sie die Zeit totschlagen sollen. Aber dass im Internet Szenen kursieren, nach denen Polizisten auf der Straße Fans mit Mkhitaryan-Trikots anhalten – das sollte bei zartbesaiteteren Uefa-Funktionären doch ein wenig Restscham auslösen.

Ergebnis des Spiels: 4:1 für den FC Chelsea dank einer fulminanten zweiten Hälfte. Tore allesamt nach der Pause von Olivier Giroud, Pedro und zweimal Eden Hazard. Den Arsenal-Treffer erzielte zum 1:3 Alex Iwobi. Hier geht’s zum Spielbericht und hierzum Nachlesen des Livetickers.

Die erste Halbzeit: Das war ganz bestimmt eine eindrucksvolle Solidaritätsaktion der Spieler beider Teams für Mkhitaryan. Bewusst traten sie in einen Offensivstreik, eine machtvolle Demonstration. Nur Granit Xhaka und Olivier Giroud hatten das offenbar nicht so ganz mitbekommen. Zu ihrem Glück wurden ihre Chancen keine Tore. Die hätten in der Kabine etwas zu hören bekommen.

Die zweite Halbzeit: In Baku war es schon Mitternacht, als die zweite Halbzeit angepfiffen wurde. Hellwach waren nur noch die Blues, die innerhalb einer Viertelstunde mit überfallartigen Angriffen das Spiel entschieden. Der FC Arsenal stellte sich unvermittelt als hoffnungslos unterlegen heraus, als genau das gefundene Fressen, wie es der Kollegen Raphael Honigstein schon vorher beschrieben hatte. Und Chelsea kann Offensivfußball in einem europäischen Endspiel – das wissen sie auch in München.

Spieler des Spiels: Henrikh Mkhitaryan. Diese Pässe, diese Laufwege, diese Ballsicherheit. Ach, nein, das war Eden Hazard. Real Madrid kann sich freuen.

Spieler des Spiels, Fußnote: Mesut Özil war schwach, aber das wird sicher anderswo noch ausführlich thematisiert.

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Europa-League-Finale:
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Englische Woche, Teil eins: Vier englische Teams in den beiden europäischen Endspielen. Mehr geht nicht? Nun, ja. In der Startelf beider Mannschaften fand sich mit Ainsley Maitland-Niles immerhin ein Engländer wieder. Man sollte vielleicht eher von Premier-League-Duellen reden.

Duell des Spiels: In der 48. Minute kam es zu der Szene, zu der es nach den Gesetzmäßigkeiten des Fußballs nun einmal kommen musste. Olivier Giroud, Arsenal-Profi von 2012 bis 2018, reagiert reaktionsschnell im Strafraum und köpft den Ball an Torwart Petr Cech, Chelsea-Profi von 2005-2015, in dessen letztem Spiel vorbei zum 1:0 für Chelsea. Und überall auf der Welt tippen Sportreporter das Wort “ausgerechnet” in ihre Tastatur. Nur gut, dass es nicht das einzige Tor des Abends geblieben ist. Das wäre zu viel Kitsch gewesen.

Übertragung des Spiels: Der übertragende Sender RTL hatte bequeme 45 Minuten zur Vorberichterstattung zur Verfügung und brachte es fertig, nicht eine Minute den politischen Verwerfungen des Austragungsortes zu widmen. Stattdessen wurde leidenschaftlich ein Internet-Tanzvideo des verletzten Antonio Rüdiger besprochen. Live-Kommentator Marco Hagemann und sein Co Steffen Freund versuchten sich anschließend wenigstens an schüchterner Kritik. Die beiden einigten sich darauf, dass die Auswahl des Finalorts “nicht ideal” war.

Dialog des Spiels: Marco Hagemann: “Das Stadion ist leider nicht ausverkauft.” Steffen Freund: “Das war Foul an Hazard.”

Erkenntnis des Spiels: Nach dem großen Erfolg vom Mittwochabend plant die Uefa, wie man hört, im Gegenzug das aserbaidschanische Pokalfinale 2020 in Wembley auszutragen. Die Pubs in London freuen sich auf die Fans von Qarabag Agdam und Sumqavit PFK. Das Spiel soll in 243 Länder übertragen werden. Das ist Europa.

FC Chelsea – FC Arsenal 4:1 (0:0)
1:0 Giroud (49.)
2:0 Pedro (60.)
3:0 Hazard (65. Foulelfmeter)
3:1 Iwobi (69.)
4:1 Hazard (72.)
Chelsea: Arrizabalaga – Azpilicueta, Christensen, Luiz, Emerson – Kante, Jorginho, Kovacic (76. Barkley) – Pedro (71. Willian), Giroud, Hazard (89. Zappacosta).
Arsenal: Cech – Sokratis, Koscielny, Monreal (66. Guendouzi) – Maitland-Niles, Torreira (66. Iwobi), Xhaka, Kolasinac – Özil (77. Willock) – Aubameyang, Lacazette.
Schiedsrichter: Rocchi (Italien)
Zuschauer: 60.000
Gelbe Karten: Christensen, Pedro / –



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