Ohne lange Debatte: E-Scooter erobern Tel Aviv


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E-Scooter-Artikel gehören in Tel Aviv zum Stadtbild.

(Foto: Wolfram Neidhard)

Wie geht man mit den E-Tretrollern um? Diese Diskussion beschäftigt seit geraumer Zeit deutsche Verkehrspolitiker. In der ESC-Gastgeberstadt Tel Aviv lässt man sie einfach fahren. Für den unerfahrenen Touristen ist das äußerst gewöhnungsbedürftig.

In Deutschland läuft die Diskussion über die E-Tretroller auf vollen Touren. Darf mit ihnen auf Gehwegen gefahren werden, oder nicht? Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer beugt sich dem Druck aus den Ländern und will sie nun auf den Radwegen fahren lassen.

Das wiederum bringt den Fahrradfahrerclub ADFC auf die Palme, der befürchtet, dass die langsameren E-Tretroller “den Radverkehr und damit die aktive Mobilität ausbremsen” würden. Er nutzt die Debatte, um in den Großstädten generell breitere und sicherere Radwege zu forden. Ein richtiges Ansinnen, doch das ist ein ziemlich dickes Brett, das gebohrt werden muss. Dieses ist nicht von heute auf morgen zu bewerkstelligen.

Diese deutsche Debatte würde man in Israel wohl mit einem gewissen Schmunzeln verfolgen. Denn in der ESC-Gastgeberstadt Tel Aviv haben die sogenannten E-Scooter ihren Eroberungsfeldzug bereits angetreten. Als daran nicht gewöhnter Tourist ertappt man sich bei dem Gedanken, dass in Tel Aviv die Gefahr, von einem Tretroller verletzt zu werden, größer ist, als von einer im Gazastreifen abgeschossenen Rakete.

Auf Straßen und Gehwegen – überall sind vor allem junge Israelis mit diesen Fahrzeugen unterwegs. Sowohl Autofahrer als auch Fußgänger müssen in den engen Straßen der Altstadt, wo es kaum Radwege gibt, höllisch aufpassen, damit es zu keiner Kollision kommt. Aber in der Mittelmeerstadt nimmt man die neuen Verkehrsteilnehmer gelassen. Ein Taxifahrer – eigentlich ein natürlicher Feind des Tretrollers – empfiehlt uns sogar, Tel Aviv mit einem E-Scooter touristisch zu erobern. Die Gefahr gehört eben zum Leben.

Kalifornischer Verleiher

Überhaupt sind die Tel Aviver ständig in Bewegung – auch Skateboard-Fahrer sind zu sehen. Am Sabbat, wenn der öffentliche Nahverkehr ruht, sind noch mehr Menschen mit ihren E-Tretrollern unterwegs.

Großer Nutznießer dieser Entwicklung ist Bird. Das kalifornische Unternehmen verleiht E-Scooter, die die Benutzer überall in der Stadt abholen und so lange wie nötig fahren können. Dabei wird der Preis pro Minute berechnet.

Bird setzt sich seit geraumer Zeit für die Reduzierung des Autoverkehrs und der Umweltverschmutzung ein. Seit August des vergangenen Jahres sind überall in Tel Aviv “Vogelscooter” unterwegs, die sowohl von Einheimischen als auch von Touristen genutzt werden. Und es wird erwartet, dass sie auch andere israelische Städte erobern werden. Ohne große Regelungen, über die in Deutschland – zurecht – intensiv diskutiert wird.



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