Stimmabgabe im Bunker: Initiative will Deutsche zur EU-Wahl locken


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Auch in der Elbphilharmonie kann man seine Stimme abgeben.

(Foto: picture alliance / Christophe Ga)

Am 26. Mai wird in Deutschland ein neues EU-Parlament gewählt. Wer die Stimmabgabe zu einem besonderen Erlebnis machen will, kann bereits einige Tage zuvor wählen gehen – und das an ganz besonderen Orten. Der Urnengang kann unter anderem in einen Newsroom oder in die Elbphilharmonie führen.

Für eine besondere Form der Wahl zum EU-Parlament öffnen sich an vielen Orten in Deutschland sonst mitunter streng verschlossene Türen. Wer der Wahlkabine in tristen Schulgebäuden oder Behördenzimmern entgehen will, kann etwa in die Berliner Sammlung Boros mit ihrem riesigen Weltkriegsbunker voll zeitgenössischer Kunst ausweichen. Wähler können mit ihren Briefwahlunterlagen am 13. Mai in dem Betonkoloss zwischen Werken der aktuellen Ausstellung etwa von Guan Xiao, Daniel Josefsohn, Michel Majerus, Katja Novitskova oder Pamela Rosenkranz ihr Kreuz machen.

Die Sammlung des Düsseldorfer Medien-Unternehmers Christian Boros beteiligt sich damit an der Aktion #SayYesToEurope. Die Initiative will so zur EU-Wahl mobilisieren. “Seit Jahren nimmt mehr als die Hälfte der Deutschen ihr Wahlrecht bei den Wahlen zum Europäischen Parlament gar nicht erst wahr. Das ist eine Gefahr für Europa und für die Demokratie”, heißt es zur Begründung bei der Initiative. Besondere Orte sollen nun zur Wahl locken, deren gewöhnlicher Teil in Deutschland am 26. Mai abläuft.

Nach Anmeldung auf der Homepage der Initiative können Wähler zuvor neben dem Boros-Bunker ihre Entscheidung etwa am 10. Mai im Studio der RTL-Sendung “Wer wird Millionär?”, am 14. Mai in der Hamburger Kiez-Bar “Ritze”, am 15. Mai in einer Halle mit Flugsimulatoren von Lufthansa Aviation Training, am 17. und 18. Mai im “Stern”-Newsroom, am 19. Mai in der Kabine von Borussia Dortmund oder auch am 20. Mai  in der Hamburger Elbphilharmonie treffen. Anschließend muss der Wahlbrief wie üblich in die Post oder zu den Wahlämtern.

Für die Sammlung Boros zeigt ihr Wahlort, ein Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg, die Zerbrechlichkeit von Demokratie. “Der Bunker ist als ehemaliger Luftschutzraum ein Ort, an dem sich historischer Wandel nachvollziehen lässt. Historischer Wandel bedeutet hier auch politischer Wandel”, heißt es. Gebaut wurde der Koloss im Herzen Berlins von den Nazis, in der DDR war der fünfgeschossige Bau ein Früchtelager, nach dem Mauerfall einer der angesagten Techno-Tempel der Stadt. Boros erschloss den Bunker dann für seine Kunstsammlung.

Europäische Gemeinschaft stärken

“Der Wandel des Ortes zeigt, dass politische Systeme fragil sind. Wir glauben an eine Politik der europäischen Gemeinschaft”, heißt es dazu bei der Sammlung. “Diese gilt es zu stärken.” Mit der Initiative will auch Boros “ein Zeichen für Europa setzen, wir wünschen uns, dass möglichst viele Menschen pro-europäische Parteien wählen”. Die Verantwortlichen im Bunker sehen zeitgenössische Kunst und internationale Gedanken verbunden. In der aktuellen Präsentation etwa seien Künstler aus Estland, China, der Schweiz, England, Südamerika, Belgien und den USA vertreten.

“Akteure und Institutionen der zeitgenössischen Kunst agieren auf europäischer und auf globaler Ebene.” Zudem kämen zwei Drittel der Besucher aus dem Ausland. “Das Rekurrieren auf rein nationale Interessen, Identitäten oder Inhalte beschränkt das Wesen der Kunst, das nach Freiheit strebt.”

Bei der Berliner Landeswahlleitung gibt es keine grundsätzlichen Bedenken gegen eine solche Aktion. “Wir finden es natürlich besser, wenn im Wahllokal gewählt wird oder mit den Briefwahlunterlagen bei uns”, sagte ein Sprecher. Da es aber im Umkreis der Orte keine Wahlwerbung gebe, sei die Aktion “politisch unverfänglich”.



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