Berlin-“Tatort”: Mit Karow und Rubin


Eine Nacht am Kotti in Kreuzberg kann gefährlich sein. Eine Streife wird zu einer Ruhestörung gerufen. Sie klingelt an einer Wohnungstür, wenig später ist eine Polizistin tot. Erschossen.

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Sie stirbt in den Armen des jungen Praktikanten, der die Kugeln dank seiner Schutzweste überlebt. Der Neuling Tolja (Jonas Hämmerle) ist ausgerechnet der Sohn der Hauptkommissarin Nina Rubin (Meret Becker).

Geradliniger Krimi ohne Experimente

Was war in der Wohnung los? Welche Rolle spielten ein libanesischer Drogenclan und ein V-Mann? Und wie geht es den Polizisten, die tagtäglich auf der Straße als “Streifenhörnchen” unterwegs sind?

Darum dreht sich der Berliner “Tatort” mit dem Titel “Der gute Weg”. Regisseur Christian von Castelberg hat einen geradlinigen Krimi gedreht, ohne Experimente, erfrischend solide. Und mit einer Prise Berliner Realismus: Einmal muss ein Polizist das kaputte Waschbecken auf der Wache reparieren und bekommt eine Dusche ab.

Privates verschmilzt mit dem Fall

Krimi-Puristen mögen es nicht, wenn das Privatleben von Kommissaren eine zu große Rolle spielt, aber hier passt es. Nina Rubin liebt das Nachtleben und trägt die vielleicht hippste Garderobe unter den Fernsehkommissarinnen: Baseballjacke und Overall. Ihre Familie spielt wieder eine Rolle, ist Teil des Falls. Rubin sorgt sich tränenverschmiert um Sohn Tolja. Wie wird der 19-Jährige den traumatischen Einsatz überstehen? Tolja will sich seiner Mutter nicht anvertrauen: “Hör auf, mich wie ein kleines Kind zu behandeln.”

Auf den Sohn der Kommissarin Nina Rubins (Meret Becker), Tolja (Jonas Hämmerle, l), wurde geschossen. (Quelle: dpa)Auf den Sohn der Kommissarin Nina Rubins (Meret Becker), Tolja (Jonas Hämmerle, l), wurde geschossen. Foto: Stefan Erhard/rbb.

Mark Waschke als Kommissar Robert Karow schläft mal mit Männern, mal mit Frauen. Im Dienst ist er nicht wirklich ein Sympath. Er hat eine Affäre mit der Gerichtsmedizinerin (Maryam Zaree) und sitzt nackt am Laptop, kein alltägliches Bild für einen “Tatort”. In einer Szene gerät Karow mit Kollegin Rubin aneinander und fängt sich eine Ohrfeige ein. Die beiden mögen sich hinter der coolen Fassade aber doch irgendwie. Vielleicht duzen sie sich im nächsten Fall.

Spannungsaufbau: klassisch

Klassisch ist der Spannungsaufbau. Man ahnt früh, dass bei dem altgedienten Streifenpolizisten Stracke (Peter Trabner), der beim Einsatz einen Schuss ins Bein abbekommt, etwas nicht stimmt. Er steht kurz vor der Pensionierung. Das Wohnmobil für die Reisen mit seiner Frau steht schon vor seinem Bungalow. Mehr wird an dieser Stelle nicht verraten.

Harald Stracke (Peter Trabner) und Frau Verena (Nina Vorbrodt): Der Polizist geriet auch in die Schießerei. (Quelle: rbb/Stefan Erhard)Harald Stracke (Peter Trabner) und Frau Verena (Nina Vorbrodt): Der Polizist geriet auch in die Schießerei. (Quelle: rbb/Stefan Erhard)

Neu ist der Drehort fürs Polizeirevier: Das Team zog in das alte Postbank-Hochhaus am Landwehrkanal. Die Bilder sind typisch Berlin, aber nicht abgedroschen: das Rattern der gelben U-Bahn, das Urban-Krankenhaus, die Vorortkulisse mit dem Bungalow, das Kottbusser Tor. Es läuft Rap-Musik.

Drehbuchautor Christoph Darnstädt mag am Berliner “Tatort” die Atmosphäre. “Bei den Fällen mit Rubin und Karow fällt auf, dass sehr viel über die Stadt erzählt wird.” Der Tonfall hat für ihn etwas “sehr Berlinerisches: trocken, kurz, die Arbeit schnell erzählt”. Wahrscheinlich sieht das Publikum das ähnlich: Eine gute Einschaltquote wäre keine Überraschung.

“Tatort: Der gute Weg” am Sonntag, den 5. Mai um 20.15 Uhr im Ersten.



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