Bundesliga: Bayer Leverkusen gegen Eintracht Frankfurt: Spiel, Satz, Sieg





Die Spielhälfte der Saison: Lieferte Bayer Leverkusen gegen Eintracht Frankfurt. Bayer brauchte gegen den Konkurrenten um die Champions-League-Plätze nur die ersten 36 Minuten, um sechs Tore zu erzielen. Das ist eingestellter Rekord – und zuvor erst vier Mannschaften in der Bundesliga-Geschichte gelungen. Leverkusen spielte in einer Dominanz und Erbarmungslosigkeit, durch die man sich nahezu um die Europapokal-Helden der Eintracht sorgen musste.

Das Ergebnis: Angesichts des Halbzeitstands von 6:1 ist das Endergebnis für neutrale Zuschauer schon fast enttäuschend: Nämlich ebenfalls 6:1. Hier geht es zum Spielbericht.

Spiel, Satz und Sieg: Das schnelle halbe Dutzend in den ersten 45 Minuten ließ viele Zuschauer verwundert die eigene Reiseplanung überprüfen, hätte man angesichts des Halbzeitstandes auch bei dem in München stattfindenden ATP-Tennis-Turnier sein können. Statt der dortigen Finalisten Christian Garín und Matteo Berrettini spielten sich in Leverkusen Julian Brandt und Kai Havertz die Bälle zu, zumeist ebenfalls direkt. Die Frankfurter fungierten, möchte man in der Tennissprache bleiben, als Netz: Mal blieb ein Ball hängen, in der Regel wurden sie aber überspielt.

Fußball in Vollendung: Es ist kein Geheimnis, dass Leverkusen in der Lage ist, schönen Fußball zu spielen. Das bedingt allein die Vielzahl an großen Talenten, die sich im Kader tummeln. Das Direktspiel der ersten Hälfte, die Zielstrebigkeit im Abschluss – wäre Bayers fehlende Konstanz in dieser Saison nicht so offensichtlich, man hätte sich angesichts der Leistung wundern müssen, warum diese Mannschaft nicht um die Meisterschaft mitspielt.


Effizienz 04: Obwohl Bayer in der ersten Hälfte über 80 Prozent Ballbesitz hatte, schossen sie nur achtmal auf das Frankfurter Tor. Wenn sie dann abschlossen, war der Ball zumeist drin. Dabei machte Frankfurts Keeper Kevin Trapp keine schlechte Partie. Vielmehr lässt sich das durch die Spielkultur der Leverkusener erklären, kombinieren sie sich so weit vor das gegnerische Tor, dass ein Abschluss nahezu sicheren Erfolg bringt. Fünf Tore wurden aus dem Strafraum erzielt, lediglich das 1:0 durch Kai Havertz von außerhalb des Strafraums (2. Minute). Mit der individuelle Klasse des jungen Nationalspielers funktionierte auch diese Variante: Eine Hereingabe nahm Havertz mit dem ersten Kontakt an, mit dem zweiten ließ er Torhüter Kevin Trapp im langen Eck keine Chance.


Frankfurts Trainer Adi Hütter verspekulierte sich mit seiner Aufstellung.


Rolf Vennenbernd/DPA

Frankfurts Trainer Adi Hütter verspekulierte sich mit seiner Aufstellung.

Rotationsopfer: So werden Spieler bezeichnet, die durch eine hohe Frequenz an Spielen in einer Partie geschont werden. Gegen Leverkusen waren die tatsächlichen Rotationsopfer diejenigen Spieler, die auf dem Platz stehen mussten. Nachdem sich die Mannschaft unter der Woche gegen den FC Chelsea aufgerieben hatte, schickte Trainer Adi Hütter eine personell sowie taktisch veränderte Aufstellung ins Rennen. Luka Jovic und Mijat Gacinovic saßen zunächst auf der Bank und mit Almamy Touré und Evan N’Dicka spielten zwei Innenverteidiger auf den Außenpositionen. Das ging bitter schief: Nach nur 37 Minuten wechselte Hütter doppelt – und gestand sich offenbar selbst ein, dass seine Mannschaft keine großartige Rotation verträgt.

Gefeiert wird trotzdem: Weil Frankfurt eine Saison spielt, die auch eine völlig verkorkste Spielhälfte nicht entstellen kann, feierten die mitgereisten Fans nach der Partie ihre Mannschaft. Denn auch wenn Frankfurt gegen nun punktgleiche Leverkusener insgesamt zehn Treffer in der Tordifferenz einbüßen musste, stehen sie immer noch auf dem für die Champions League legitimierenden vierten Tabellenplatz. Zudem haben am kommenden Donnerstag beim FC Chelsea (21 Uhr; TV: RTL und Dazn; Liveticker SPIEGEL ONLINE) die Möglichkeit, in das Finale der Europa League einzuziehen.

Bayer Leverkusen – Eintracht Frankfurt 6:1 (6:1)
1:0 Havertz (2.)
2:0 Brandt (13.)
2:1 Kostic (14.)
3:1 Alario (23.)
4:1 Aranguiz (28.)
5:1 Alario (34.)
6:1 Hinteregger (36., Eigentor)
Leverkusen: Hradecky – Tah, S. Bender (60. Dragovic), Wendell – Baumgartlinger, Aránguiz – L. Bender (67. Weiser), Volland – Havertz, Brandt – Alario (83. Paulinho)

Frankfurt:
Trapp – Touré, Abraham, Hasebe, Hinteregger, N’Dicka (37. Jovic) – Fernandes, Willems (37. Gacinovic) – da Costa (74. Chandler), Kostic – Rebic

Schiedsrichter:
Hartmann
Gelbe Karten: – / Abraham, Fernandes, Hinteregger
Zuschauer: 30.000



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