Maximilian Kleber von den Dallas Mavericks im Interview: “Von Dirk zu lernen, war cool”



SPIEGEL ONLINE: Herr Kleber, die Playoffs haben Sie dieses Jahr mit den Dallas Mavericks verpasst. Auch für Sie persönlich verlief die Saison eher unauffällig, wenn man auf die statistischen Werte blickt. Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer zweiten NBA-Spielzeit?

Kleber: Ich habe im letzten Sommer einen großen Schritt nach vorne gemacht. In der Verteidigung habe ich mich extrem verbessert, auch mein Wurf ist sicherer geworden. In Zukunft will ich im Angriff öfter die Initiative ergreifen, da sehe ich noch großes Potenzial, auch mit 27 Jahren. Man muss bedenken, dass mich Verletzungen knapp drei Jahre Spielzeit gekostet haben. Diese Erfahrungen sammle ich erst jetzt. Und sie machen mich besser.

Zur Person

  • Tilo Wiedensohler/ Camera 4/ imago images

    Maximilian Kleber, 27, spielt seit 2017 für die Dallas Mavericks. Zuvor hatte der geborene Würzburger unter anderem für Bayern München gespielt. Im Sommer 2014 debütierte Kleber bei der Nationalmannschaft. Er ist 2,11 Meter groß und kommt als Power Forward und Center zum Einsatz.

SPIEGEL ONLINE: Auf der Center-Position sind Sie der beste Verteidiger der Mavericks. Mit welchem Starspieler hatten Sie bislang die größten Probleme?

Kleber: Definitiv mit Kevin Durant von den Golden State Warriors. Der hat einfach das komplette Paket. Alleine ist es eigentlich unmöglich, ihn zu stoppen, da muss das ganze Team sehr gut verteidigen. Aber es gibt auch viele andere, die extrem gut sind. An manchen Tagen hast du das Gefühl, jemanden stark verteidigt zu haben. Beim nächsten Mal machst du genau das Gleiche und auf einmal schenkt dir derselbe Gegenspieler 25 Punkte ein.

SPIEGEL ONLINE: Im Sommer könnte Durant das Team wechseln, auch Ihnen stehen wichtige Vertragsgespräche bevor. Sie werden “Restricted Free Agent”: Die Dallas Mavericks können Sie also an sich binden, wenn sie bei Angeboten anderer Teams ein ebenso hohes Angebot machen – sie könnten Sie aber auch ziehen lassen. Wie gehen Sie mit dieser Ungewissheit um?

Kleber: Da macht man sich natürlich seine Gedanken. Es ist schon krass, wenn man darüber nachdenkt: Ich habe jetzt drei Monate Zeit, an mir zu arbeiten, und weiß nicht, wo ich danach spielen werde. Aber das gehört zum Geschäft. Ich kann es nicht ändern, deshalb versuche ich, entspannt zu bleiben.

SPIEGEL ONLINE: Wollen Sie in Dallas bleiben?

Kleber: Auf jeden Fall. Ich fühle mich wohl hier, ich kenne die Organisation, die Trainer, die Leute. Für mich passt alles bei den Mavericks.

SPIEGEL ONLINE: Wie lebt es sich eigentlich so als NBA-Profi in Dallas?

Kleber: Es ist schon sehr cool. Natürlich hat man sehr viel Druck, was die Leistung betrifft, aber man lebt auch im Luxus. Wir fliegen in unserem eigenen Jet, sind in erstklassigen Hotels untergebracht, auch die Trainingsmöglichkeiten sind kein Vergleich zu Europa. Hier sagst du am Nachmittag, dass du an deinem Wurf arbeiten willst, ein paar Minuten später hast du drei persönliche Rebounder, die dir die Bälle zupassen. Dadurch fällt es mir leicht, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren: auf meine Leistung.

SPIEGEL ONLINE: Sie standen schon 2012 und 2014 kurz vor einem Eintritt in solch ein Leben, doch erst 2017 schafften Sie den Sprung in die NBA. Herrscht bei Ihnen Genugtuung, es nun geschafft zu haben?

Kleber: Der Frust war extrem groß, nachdem ich zweimal knapp gescheitert war. Dass ich es jetzt trotzdem in die NBA geschafft habe, ist für mich eine Riesensache: die Reisen, das Training, die riesigen Arenen, oder sich einfach mal das Frühstück in die Halle bringen zu lassen. Ich lebe seit zwei Jahren meinen Kindheitstraum.


Dirk Nowitzki (l.) und Maximilian Kleber


Christian Petersen / AFP

Dirk Nowitzki (l.) und Maximilian Kleber

SPIEGEL ONLINE: Ihre ersten zwei NBA-Saisons verbrachten Sie außerdem an der Seite von Dirk Nowitzki. Wie haben Sie seinen Rücktritt aufgenommen?

Kleber: Es war schon besonders, das alles mitzuerleben. Zu sehen, wie sehr die Fans in Dallas ihn lieben. Als Teamkollege wird er natürlich extrem fehlen, für mich war er gerade in der Anfangszeit eine große Hilfe. Vor meiner ersten Saison habe ich mich viel mit ihm unterhalten, auch meine ersten Einheiten habe ich mit ihm gemacht. Von Dirk zu lernen, das war schon cool.

SPIEGEL ONLINE: Mit Luka Doncic scheint Nowitzkis Superstar-Nachfolge bereits geklärt zu sein. Wie haben Sie den neuen Hoffnungsträger Ihres Teams wahrgenommen?

Kleber: Luka ist ein lustiger, entspannter Typ, der gerne rumflachst. Auf dem Feld ist er natürlich ein Ausnahmetalent. Viele Amerikaner haben nicht ernst genommen, dass er schon in Europa richtig gut war. Jetzt überzeugt er in der NBA noch mehr. Damit hat er dem gesamten europäischen Basketball größere Anerkennung verschafft.

SPIEGEL ONLINE: Für Sie persönlich hatte Doncics Ankunft in Dallas unerwartete Folgen. Was hatte es mit Ihrem “I’m Not Luka”-Shirt auf sich?

Kleber: Es kam immer mal wieder – oder na ja, eigentlich die ganze Zeit – vor, dass ich bei Auswärtsspielen mit Luka verwechselt wurde. Wir sehen uns vielleicht ein kleines bisschen ähnlich, aber wirklich nicht doll. Trotzdem riefen Fans immer wieder: Luka, Luka, Luka. In Cleveland habe ich einem der Shooting Coaches davon erzählt, ein paar Stunden später stand er dann mit einem T-Shirt vor mir, auf dem “I’m not Luka” stand. Da musste ich natürlich extrem lachen. Ich habe das Shirt direkt angezogen und online gepostet. Seitdem ist es übrigens besser geworden.



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