FC Barcelona siegt bei Manchester United: Schlampige Genies






Szene des Spiels: Über zwei Minuten lang passten sich die Gästespieler den Ball zu, bis Sergio Busquets die Abwehrreihe von United überlupfte. Lionel Messi leitete weiter zum zweiten Pfosten, wo Luis Suárez den Ball entgegen die Laufrichtung von Torhüter David De Gea köpfte. Da Abwehrspieler Luke Shaw den Ball noch unglücklich abfälschte, stand es nach zwölf Minuten 0:1. Dem Treffer vorausgegangen war eine Folge von 48 Pässen der Gäste, bei der alle Barça-Spieler am Ball waren. Ein Tor in Vollendung.

Das Ergebnis: Der FC Barcelona hat das Hinspiel im Champions-League-Viertelfinale bei Manchester United 1:0 (1:0) gewonnen. Hier geht es zum Spielbericht.

Die erste Hälfte: Anfangs sah es nach einem bitteren Abend für United aus. Ängstlich gestartet, liefen sie den Spielern aus Barcelona nahezu ausschließlich hinterher. Doch der Gegentreffer war ein Weckruf für United – und eine Schlaftablette für Barça. Sobald sie den Ball verloren, war auch die Ordnung weg. Beflügelt von selten gesehenen Aufbaufehlern (allein Jordi Alba und Clément Lenglet verzeichneten in den ersten 45 Minuten satte 14 Ballverluste) kam United zu Chancen für Ashley Young (19. Minute), Marcus Rashford (21.) und Diogo Dalot (40.). Auf der Gegenseite scheiterte Philippe Coutinho an de Gea (36.).

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Barcas Sieg in Manchester:
Unglücklicher Shaw, blutender Messi

Verärgerter, jubelnder Suárez: Natürlich strahlte der Angreifer nach dem Tor zum 1:0, den Uefa-Verantwortlichen wäre er metaphorisch aber sicherlich gerne an die Gurgel gegangen, als sie den nur leicht abgefälschten Führungstreffer als Eigentor von Shaw werteten. So bleibt es dabei, dass der in Old Trafford als Ex-Liverpooler ganz besonders herzlich gehasste Uruguayer seit dem 16. September 2015 (1:1 bei der Roma) nicht mehr auswärts in der Champions League getroffen hat. Der Treffer ins eigene Netz war für Shaw zudem nur der halbe Ärger: Nach einem Foul an Messi sah er seine dritte Gelbe Karte im Wettbewerb und fehlt im Rückspiel.


Die zweite Hälfte: Den Gastgebern gelang es, das Spiel immer häufiger ins gegnerische Angriffsdrittel zu verlagern, ohne zu klaren Möglichkeiten zu kommen. Befreien konnte sich Barça ob seines schlampigen Spiels im Aufbau allerdings auch nicht. So simulierte die Partie 20 Minuten lang Aufregung, ohne dass sich dies in Erwähnenswertes niederschlug. In der 65. Minute war es wiederum Suárez, der De Gea mit einem Schuss zu einer Parade zwang.

Ballbesitz als Schlüssel: Wer als Fan der Statistik nach einer Viertelstunde einen Blick auf die Zahlen war, dürfte von einem leichten Schauer der Erregung durchflutet worden sein. 90 Prozent Ballbesitz für den FC Barcelona, dessen Spieler eine Passquote von mehr als 96 Prozent auf den Rasen brachten. Hätten sie mal so weiter gemacht, taten sie aber nicht.

Old Harmlosigkeit: United blieb im vierten von fünf Heimspielen in dieser Champions-League-Saison ohne Treffer. Nur gegen Young Boys Bern trafen sie in der Gruppenphase einmal. Das ist nicht die Bilanz eines künftigen Halbfinalisten der Königsklasse.

Die Vidal-Cam: In der 65. Minute wurde der Ex-Münchner Arturo Vidal bei den Katalanen eingewechselt, nur Sekunden später setzte er zu einer atemberaubenden Grätsche an, die ohne Folgen blieb. Fünf Ballkontakte und zwei Fouls später sah er in der 71. Minute Gelb. In der Nachspielzeit sprang er im eigenen Sechzehner noch in Chris Smalling, der ob dieser Ungeschicktheit so erschrocken war, dass er vergaß, umzufallen und einen Strafstoß zu fordern. Vidal – einfach ein faszinierender Fußballer.

Das Rückspiel: Am kommenden Dienstag kommt es in Barcelona zum Rückspiel (21 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Und obwohl es der FC Barcelona ist und obwohl sie auswärts gewonnen haben, ist dieses 1:0 noch nicht gleichbedeutend mit dem Weiterkommen. United hat im Achtelfinale das Duell bei Paris Saint-Germain gedreht und Barça zeigte jene Wackeligkeit, die ihnen schon in der Vorsaison im Rückspiel gegen die Roma das Weiterkommen kostete.

Manchester United – FC Barcelona 0:1 (0:1)
0:1 Shaw (12., Eigentor)
Manchester: De Gea – Lindelöf, Smalling, Shaw – A. Young, Diogo Dalot (74. Jesse Lingard) – Fred, McTominay, Pogba – Rashford (85. Andreas Pereira), R. Lukaku (68. Anthony Martial)
Barcelona: Ter Stegen – Nelson Semedo, Piqué, Lenglet, Jordi Alba – S. Busquets (90.+3 Carles Alena) – Rakitic, Arthur (66. Sergi Roberto) – Messi, Coutinho (66. Arturo Vidal) – Suárez
Schiedsrichter: Gianluca Rocchi (Italien)
Gelbe Karten: Shaw, Smalling, Lingard – Busquets, Vidal
Zuschauer: 74.093 (ausverkauft)



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