Christoph Weigler im Interview: “Taxis sind wichtige Partner von Uber”



Die Taxibranche läuft Sturm gegen den Plan von Verkehrsminister Scheuer, eine Öffnung der Personenbeförderung auch für alternative Anbieter zu ermöglichen. Alternativen seien gut, meint der deutsche Uber-Chef Weigler bei n-tv – schließlich würden alle das gleiche Ziel verfolgen.

n-tv: Es wird behauptet, Sie hätten in Berlin für die Gesetzesänderung geworben. Wie stark haben Sie Lobbyarbeit geleistet, um den Verkehrsminister zu überzeugen?

Christoph Weigler: Mir ist es ganz wichtig zu sagen: Taxis sind wichtige Partner für uns, weil ich glaube, wir haben das gleiche Ziel. Wir wollen die Menschen davon überzeugen, ihren eigenen PKW öfter mal stehen zu lassen und mit anderen Fortbewegungsmitteln in der Stadt unterwegs zu sein. Für mich kommt es darauf an, dass wir einen attraktiven Mix an Alternativen anbieten. Der ÖPNV ist da ganz wichtig, das klassische Taxi, aber auch Dienste wie Uber, Bikesharing und Carsharing. Nur wenn dieses Netz an Alternativen wirklich attraktiv ist, dann lassen die Menschen ihr Auto auch mal stehen. Und wir haben übrigens auch eine ganz erfolgreiche Partnerschaft mit Taxiunternehmern. Allein in Berlin zum Beispiel lassen sich jede Woche über 1.500 Taxifahrer Fahrten über die Uber-App vermitteln.

Die Taxifahrer sagen, Sie haben als Fahrdienstleister gewisse Vorteile. Zum Beispiel, wenn die Rückkehrpflicht wegfällt. Wie sehr sind Sie im Vorteil gegenüber der Branche?

Ganz wichtig ist: Wir müssen uns an die Regeln halten, völlig klar. Genauso wie alle anderen Teilnehmer. Wir arbeiten in Deutschland seit vielen Jahren nur noch mit professionellen Partnern zusammen. Wir weisen stetig darauf hin. Klar müssen sich alle an die Regeln halten. Das sind in aller Regel aber auch Unternehmer, mit denen wir zusammenarbeiten, die seit vielen Jahren schon vor Ort aktiv sind.

Wird sich das Geschäft für Sie in Deutschland auch lohnen, falls es zum Beispiel Regeln gibt wie in Wien? Dass Uber sich an die Tarifpflicht halten muss?

Es gibt zwei unterschiedliche Arten der gewerblichen Personenbeförderung in Deutschland. Einmal das klassische Taxi, wo Sie sich an die Tarifpflicht halten müssen. Da gibt es einige Privilegien, wie zum Beispiel 7 Prozent Mehrwertsteuer zu zahlen, aber auch einige Pflichten, wie die, dass Sie sich zu bestimmten Zeiten verfügbar halten müssen. Wir arbeiten in Deutschland so mit den klassischen Taxen als auch mit den Mietwagen zusammen. Die haben andere Rechte und Pflichten. Die haben zum Beispiel auch die Pflicht, sich an die Rückkehrpflicht zu halten. Also nach jeder Fahrt zurück zum Betriebssitz zu fahren. Was aus unserer Sicht, aus ökologischer und ökonomischer Sicht nicht unbedingt sinnvoll ist. Und wir sehen eben, auch in anderen Ländern gibt es ganz viele andere rechtliche Modelle, die Innovation möglich machen, wie zum Beispiel das “Pooling”. In Frankreich zum Beispiel können Sie sich eine Fahrt mit anderen Personen teilen. Was dazu führt, dass Sie gerade im Innenstadtbereich, wo viel Verkehr ist, Verkehr von der Straße nehmen können. Das sind ein paar Impulse, die wir als spannend erachten und wo wir auch noch Modernisierungsbedarf im Rechtsrahmen sehen.

Wie kalkulieren Sie denn ihre Preise? Fahren Sie mit Gewinn in Deutschland im Moment?

Warum sind die Preise generell günstig? Das liegt einfach an der höheren Auslastung ,die wir über die Vermittlungsplattform erreichen. Wir sind in über 600 Städten, in über 60 Ländern aktiv. Das heißt, diese Technologie, die wir entwickelt haben, führt dazu, dass wir die Auslastung erhöhen können. Das klassische Taxi in Deutschland ist nach eigenen Aussagen ungefähr nur 25 bis 30 Prozent der Zeit ausgelastet. Durch eine signifikant höhere Auslastung kann man eben auch niedrigere Preise an den Nutzer weitergeben.

Das Interview mit Christoph Weigler führte Isabell Körner.



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