Schwere Gefechte in Libyen: Kampfjets greifen Hauptstadtflughafen an


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Tödliche Kämpfe in Libyen: Bei den Gefechten um Tripolis kamen zuletzt auch mehrere Zivilisten ums Leben.

(Foto: REUTERS)

Die Offensive des abtrünnigen Generals Haftar auf die libysche Hauptstadt Tripolis geht mit unveränderter Härte weiter. Zu Wochenbeginn gerät der letzte verbleibende Flughafen der Millionenstadt ins Kreuzfeuer. Das US-Militär evakuiert Zivilisten auf dem Seeweg.

Bei den Kämpfen um die libysche Hauptstadt Tripolis sind mehrere Geschosse auf dem Gelände des einzig verbliebenen Flughafens der Stadt eingeschlagen. Kampfjets bombardierten den militärischen Teil des Flughafens Mitiga, sagte ein Sprecher der libyschen Einheitsregierung. Reisende seien während der Attacke in Panik geraten. Menschen kamen bei der Bombardierung nicht zu Schaden.

Erste Bilder vom Flughafen zeigten Rauchsäulen über dem Rollfeld. Nach Angaben von Flughafenvertretern wurde eine Landebahn beschädigt. Wie groß die Schäden an den übrigen zum Flugbetrieb erforderlichen Einrichtungen sind, ist noch unklar. Der Flugverkehr wurde bis auf Weiteres eingestellt. Aus der Luft ist die libysche Hauptstadt damit vorerst nicht mehr zu erreichen.

In den sozialen Netzwerken kursierten Aufnahmen, die beschädigte Transporthubschrauber am Rande des Rollfelds von Mitiga zeigen. Welche Kräfte für den Beschuss verantwortlich sind, ist noch unklar. Das libysche Militär verfügt seit dem internationalen Militäreinsatz von 2011 nur noch über wenige Kampfjets, die sich größtenteils in Händen des abtrünnigen Generals Chalifa Haftar befinden sollen.

Ein Sprecher der nationalen Einheitsregierung von Ministerpräsident Fajis al-Sarradsch wies Berichte über einen direkten Angriff auf den zivilen Teil des Flughafens zurück. Der Beschuss hätte stattdessen nicht näher genannten Gebäuden in der Nähe des Flughafens gegolten. Vorsorglich sei der Flugbetrieb jedoch eingestellt und der Flughafen geräumt worden.

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Von Splittern getroffen: Beschädigter Transporthubschrauber auf dem Rollfeld von Mitiga.

(Foto: REUTERS)

Um den Flughafen im Osten der Hauptstadt gab es bereits in der Vergangenheit wiederholt Gefechte. Die regierungstreuen Truppen haben hier unter anderem Hubschrauber stationiert. Der frühere Hauptstadtflughafen Tripoli International wurde bei Kämpfen 2014 so stark zerstört, dass seitdem alle Flüge von und nach Tripolis über Mitiga abgewickelt werden müssen.

Reisende, die Tripolis auf dem Luftweg verlassen wollen, waren durch die jüngste Attacke zeitweise von der Außenwelt abgeschnitten. Der Mitiga Airport (IATA-Code MJI) befindet sich rund neun Kilometer östlich des Stadtzentrums, während die Überreste des früheren Hauptstadtflughafen Tripoli International (IATA: TIP) rund 25 Kilometer entfernt im Süden bei der Ortschaft Kasr Ben Gaschir liegen. Auch dort wurde zuletzt gekämpft.

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Flucht aus Libyen: Einheiten der US-Marines bringen Flüchtende per Hovercraft auf vor der Küste wartende Schiffe.

(Foto: dpa)

Das US-Militär leitete am Wochenende eine Evakuierungsaktion ein, um etwa Botschaftspersonal und andere ausreisewillige Ausländer in Sicherheit zu bringen. Dazu steuerten Luftkissenfahrzeugen der US-Marines den Hafen von Janzur an, der wenige Kilometer westlich von Tripolis liegt.

“Vulkan der Wut”

Die Truppen des mächtigen Generals Haftar rücken seit vergangenem Donnerstag auf die Hauptstadt Tripolis vor. Am Montag lieferten sie sich rund um die Hauptstadt neue Gefechte mit den Truppen der international anerkannten Regierung, die dort ihren Sitz hat. Auch aus dem weiter östlich gelegenen Wadi Rabi wurden Kämpfe gemeldet.

Die international anerkannte Regierung Libyens von Ministerpräsident Fajis al-Sarradsch rief unter dem Schlagwort “Vulkan der Wut” zu einer Gegenoffensive auf. Beide Seiten setzen schwere Waffen ein, darunter auch auf Pickup-Trucks montierte Luftabwehrgeschütze, deren großkalibrige Schnellfeuerkanonen in Libyen vor allem zum Beschuss von Stellungen am Boden genutzt werden. Seit Beginn der Kämpfe sind mindestens 49 Menschen ums Leben gekommen, darunter auch mehrere Zivilisten.

Nach Angaben der Vereinten Nationen sind aufgrund der Kämpfe rund um Tripolis derzeit fast 3000 Menschen auf der Flucht. Das UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge erklärte, die Mehrheit von ihnen sei bei Angehörigen in sichereren Regionen untergekommen. Einige seien auch in ein Lager im Vorort Tadschura gebracht worden, rund 30 Kilometer östlich von Tripolis. Ein UN-Aufruf zu einer zweistündigen Feuerpause blieb ohne Wirkung.

Flüchtlinge zwischen den Fronten

Hilfsorganisationen haben sich angesichts der eskalierenden Kämpfe in Libyen besorgt um die Situation von inhaftierten Flüchtlingen gezeigt. Die aktuellen Kämpfe ereigneten sich in der Nähe der beiden Migrationszentren Kasr Ben Gaschir und Ain Sara, in denen rund 1300 Menschen gefangen seien, teilte Amnesty International mit. Die Organisation “Ärzte ohne Grenzen” warnte, dass es Berichte gebe, nach denen in einer weiteren Haftanstalt Menschen zur Arbeit von bewaffneten Gruppen eingezogen worden seien.

Russland hatte am Sonntag im UN-Sicherheitsrat eine Erklärung blockiert, in der ein Ende des Vormarsches der Haftar-Truppen gefordert werden sollte. Moskau pochte nach Diplomatenangaben darauf, dass alle Konfliktparteien zu einem Ende der Kämpfe aufgerufen werden. Die USA lehnten eine solche Änderung am Text aber ab. Russland steht ebenso wie Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate hinter General Haftar, bestreitet aber, dessen Truppen militärisch zu unterstützen.

Seit der Militärintervention der Nato in Libyen und dem von westlichen Mächten betriebenen Sturz des Machthabers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 herrscht in dem nordafrikanischen Land Chaos. Die international anerkannte Regierung in Tripolis ist schwach und hat weite Teile des Landes nicht unter Kontrolle.



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