IW zu Mietpreis-Unterschieden: Private Vermieter satteln am meisten drauf


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Demonstration gegen steigende Mieten in Berlin.

(Foto: picture alliance/dpa)

Bundesweit protestieren wieder Tausende Menschen gegen Wohnungsnot und Mietpreissteigerungen. Gleichzeitig diskutieren Politik und Wirtschaft über Lösungen. Fakten sind gefragt. Welche Bevölkerungsschicht der “Mietenwahnsinn” zum großen Teil trifft, zeigt eine Studie.

Laut einer Studie des Deutschen Instituts der Wirtschaft (IW) sind die Mieten bei privaten Vermietern seit 2012 stärker gestiegen als bei kommunalen Wohnungen und Genossenschaften. Die privaten Vermieter modernisieren auch am stärksten, wie die Funke-Mediengruppe unter Berufung auf die Analyse schreibt.

Die Differenz bei den Mietzuwächsen zwischen privaten und kommunalen Wohnungsunternehmen betrug der Studie zufolge 2013 noch 0,70 Euro pro Quadratmeter, vier Jahre später 1,30 Euro. Laut den Wissenschaftlern ist ein großer Teil der Mieter privater Wohnungsgesellschaften gleichzeitig finanziell auch überdurchschnittlich gut aufgestellt. Laut den IW-Autoren leben in den Beständen der großen privaten Wohnungsgesellschaften zu 44 Prozent Haushalte, die mit ihrem Einkommen über dem Durchschnitt der Einkommen in den deutschen Großstädten liegen. 57 Prozent liegen über 80 Prozent des Medianeinkommens.

Auch auf das Thema Enteignung von Immobilienfirmen, wie sie eine Berliner Initiative fordert, geht die Studie ein. Angesichts der hohen Kosten einer Enteignung beziehungsweise der Signalwirkung von Enteignungen ohne vollständige Kompensation sei “von einer Enteignung privater Wohnungsgesellschaften dringend abzuraten”, schreiben die IW-Forscher.

IW-Ökonom Michael Voigtländer fordert stattdessen, dass mehr Bauland entstehen müsse. “Hier müssen die Städte aktiv werden und viel mehr Flächen ausweisen. Auch über die Entwicklung neuer Stadtviertel muss nachgedacht werden”, sagte er der Funke-Gruppe.

In Berlin und weiteren Städten demonstrierten Menschen am Samstag für bezahlbaren Wohnraum. Hintergrund ist der zunehmende Mangel an erschwinglichen Wohnungen vor allem in Ballungsgebieten.

An diesem Wochenende beginnt in der Hauptstadt zudem eine Unterschriftensammlung für ein Volksbegehren. Die Initiative “Deutsche Wohnen und Co. enteignen” will erreichen, dass der Berliner Senat private Wohnungsgesellschaften mit mehr als 3000 Wohnungen enteignet und vergesellschaftet.



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