Mick Schumacher im Ferrari in der Formel 1: Zu viel Show




Die Inszenierung rund um Mick Schumacher in Bahrain funktionierte glänzend: Das Medieninteresse war riesig, Fans und Beobachter fühlten sich in alte Zeiten zurückversetzt. Nach der Premiere in der Formel 2 testete Schumacher unter den Augen seiner Mutter Corinna erstmals in einem Ferrari, für das Team, mit dem sein Vater Michael Schumacher fünf seiner sieben WM-Titel gewann.

Dabei fielen nicht nur dem ehemaligen Formel-1-Piloten Gerhard Berger Gemeinsamkeiten auf: “Gerade optisch, in den Gesten, in der Haltung, in der Art sich zu bewegen”, sagte der Österreicher. “Es gibt schon deutliche Parallelen zwischen Mick heute und Michael damals.”

Bei den Ergebnissen ist das nur auf den ersten Blick festzustellen: Michael Schumacher hatte 1991 bei seinem Formel-1-Debüt in Spa sofort mit Spitzenzeiten das Establishment aufgemischt, das gelang seinem Sohn in Bahrain nicht. Dafür zeigte der 20-Jährige, der in seinem Auftreten noch etwas schüchtern wirkt, eine sehr ruhige, konzentrierte Arbeitsweise – trotz der gewaltigen Anforderungen: Der erste Medienauftritt im Formel-1-Umfeld am vergangenen Donnerstag, bei dem er noch alle Fragen zum Debüt in der Formel 1 abblockte. Drei Tage Formel 2 von Freitag bis Sonntag. Dann die Testfahrten, auch noch in zwei verschiedenen Autos, erst im Ferrari, dann am Mittwoch im Alfa Romeo.

In der Formel 2 fuhr er auf Anhieb zweimal in die Punkte, beeindruckte vor allem im ersten Rennen durch sehr gutes Reifenmanagement, ein sehr schwieriges Thema in dieser Serie. “Der reine Speed ist vielleicht noch nicht absolut top, aber wie er mit den Reifen umgegangen ist, wie schnell er das alles verstanden und umgesetzt hat, das war schon sehr gut”, sagte der ehemalige Formel-1-Weltmeister Jacques Villeneuve.

Bei der Formel-1-Premiere, auf die er sich in Maranello mit intensiver Simulator-Arbeit vorbereitet hatte, der gleiche Eindruck: Von Anfang an im Feld der Etablierten mitschwimmend, keine Fehler, solide Zeiten – zumindest so weit das im Rahmen eines Tests, wo die gefahrenen Benzinmengen nicht bekannt sind, einzuschätzen ist, sowohl bei Ferrari als auch bei Alfa Romeo. “Mick ist schon sehr strukturiert und sehr präzise”, sagte bei Alfa der langjährige Teammanager Beat Zehnder.

Aber auch dort konnte man es nicht lassen, ein bisschen Show zu produzieren, so wie am Tag zuvor schon bei Ferrari, um spektakuläre Schlagzeilen zu fabrizieren. Da schickte man Schumacher einige Male mit weniger Benzin und der weichsten Reifenmischung auf die Strecke, um schnelle Zeiten zu bekommen. Und so standen am Ende ein zweiter Platz für Ferrari und ein sechster Platz für Alfa Romeo in den Ergebnislisten.

Sicher, man muss als Fahrer auch unter diesen Bedingungen die schnellen Runden hinbekommen. Aber trotzdem entsteht so zumindest nach außen ein nicht wirklich realistisches Bild und eine ungesunde Erwartungshaltung, die darin mündet, Schumacher junior schon im kommenden Jahr in der Formel 1 sehen zu wollen.

Soll Schumacher schon 2020 Formel 1 fahren?

Fragt sich, wer es da so eilig hat? Etwa der Formel-1-Rechteinhaber Liberty Media, der so dringend positive Schlagzeilen und Showelemente braucht, um die bis dato doch eher magere Erfolgsbilanz aufzupolieren? Oder der bei Ferrari einflussreiche Fahrermanager Nicolas Todt, Sohn des Fia-Präsidenten Jean Todt, der auch Shootingstar Charles Leclerc betreut und sich seit diesem Jahr um den Schumacher-Sohn kümmert?

Todt lobte seine beiden Schützlinge in einem Atemzug, obwohl das angesichts von Leclercs Erfahrung wenig hilfreich für Schumacher ist. Dabei war Todt vor nicht allzu langer Zeit noch vorsichtiger: “Bei Mick heißt es nicht – jetzt oder nie”, sagte er. Das Ziel bestehe nicht darin, möglichst schnell in einem Formel-1-Auto zu sitzen: “Du musst in den Nachwuchsklassen beweisen, dass du regelmäßig gewinnen oder gar dominieren kannst. Dann ist es Zeit für den nächsten Schritt.”

Soll das jetzt auf einmal nicht mehr gelten, kurzfristige kommerzielle Interessen die Oberhand behalten? Mick Schumacher, der selbst am besten weiß, dass er bis jetzt in jeder neuen Serie ein zweites Jahr brauchte, um wirklich nach vorne zu kommen, scheint da eher realistisch zu bleiben: “Es ist mein erstes Jahr in der Formel 2”, sagte er in Bahrain, “wir werden sehen, wie es läuft. Ich will als kompletter Rennfahrer und so gut wie möglich vorbereitet in die Formel 1 kommen.”

Schumacher muss darauf hoffen, dass man ihm die nötige Zeit lässt. Sonst kann der Inszenierung schnell die Enttäuschung folgen.



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