Konjunktursorgen zweitrangig: Optimismus hievt Dow auf Jahreshoch


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(Foto: REUTERS)

Der hinter den Erwartung gebliebene US-Einzelhandelsumsatz für Februar kann die Stimmung nur vorübergehend dämpfen. Zum Wochenstart zeigen sich die Anleger wieder optimistisch. Dafür gibt es gleich mehrere Gründe.

Mit einem kräftigen Aufschlag ist die Wall Street in die neue Woche gestartet. Überraschend gute Daten aus China verhalfen den Aktienkursen zu einem positiven Start in das zweite Quartal und drängten die herrschenden Konjunktursorgen etwas in den Hintergrund. Die Daten trieben nicht nur die Börsen in Asien an, sondern auch die Aktienmärkte in Europa. Der hinter der Erwartung gebliebene US-Einzelhandelsumsatz für Februar dämpfte die Stimmung nur vorübergehend; schon bald stimmte der unerwartet gut ausgefallene ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe die Anleger wieder optimistisch.

Dow Jones
Dow Jones 26.238,00

Der Dow-Jones-Index verbesserte sich um 1,3 Prozent auf 26.258 Punkte. Bei 26.281 Punkten markierte der Index seinen bisher höchsten Stand in diesem Jahr. Für den S&P-500 ging es um 1,2 Prozent nach oben und der Nasdaq-Composite gewann 1,3 Prozent. Umgesetzt wurden 834 Millionen (Freitag: 1,083 Milliarden) Aktien. Dabei wurden 2.262 Kursgewinner gesehen und 715 -verlierer. Unverändert schlossen 68 Titel.

In China erreichte die Aktivität in der Industrie im März ein Sechsmonatshoch. Der Einkaufsmanagerindex (PMI) für den verarbeitenden Sektor überstieg mit 50,5 (Februar: 49,2) wieder die Expansionsschwelle von 50 und auch die Prognose der Ökonomen von 49,7. Auch in der Dienstleistungsbranche hellte sich die Lage auf. Und auch der von Caixin ermittelte PMI für den verarbeitenden Sektor überraschte positiv und stieg auf den höchsten Stand seit Oktober.

“Das zweite Quartal ist eher die ‘Realitätsphase’ für die Märkte”, so James McCormick, Global Head of Strategy bei NatWest Markets. “Entweder beginnt sich das Wachstum zu erholen, was den Anstieg der Aktienkurse bestätigt, oder die Erholung bleibt aus, in diesem Fall sehen Risikoaktiva sehr anfällig aus.”

Bauausgaben überraschen positiv

Der US-Einzelhandelsumsatz bremste die Euphorie nur kurz. Er reduzierte sich im Februar um 0,2 Prozent gegenüber dem Vormonat, während Analysten mit einem Anstieg um 0,2 Prozent gerechnet hatten. Die Umsätze ohne Kfz sanken um 0,4 Prozent gegenüber dem Vormonat. Ökonomen hatten in dieser Kategorie einen Zuwachs um 0,4 Prozent erwartet. Allerdings wurde die Gesamtrate für den Januar auf plus 0,7 Prozent nach oben revidiert, nach vorläufig plus 0,2 Prozent. Die Daten gelten als wichtiger Indikator für die Konsumausgaben der US-Verbraucher, die mit einem Anteil von rund 70 Prozent am Bruttoinlandsprodukt eine Schlüsselrolle für die US-Wirtschaft spielen.

Die nach der Startglocke veröffentlichten Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe von Markit und ISM wiesen kein einheitliches Bild auf. Der von IHS Markit in diesem Sektor erhobene Einkaufsmanagerindex sank in der zweiten Veröffentlichung auf 52,4 von 53,0 Punkten. Der ISM-Index stieg dagegen überraschend auf 55,3 Punkte. Ökonomen hatten nur einen Anstieg auf 54,4 vorhergesagt, nachdem im Vormonat der viel beachtete Index auf 54,2 Zähler gesunken war.

Auch die Bauausgaben überraschten positiv. Sie stiegen im Februar saisonbereinigt um 1,0 Prozent gegenüber dem Vormonat. Volkswirte hatten eine Abnahme um 0,3 Prozent prognostiziert. Die zunächst für den Vormonat gemeldete Veränderung von plus 1,3 Prozent wurde auf plus 2,5 Prozent revidiert.

Kellogg verkauft drei Sparten an Ferrero

Bei den Einzelwerten stand die Kellogg-Aktie im Fokus. Das Unternehmen gibt insgesamt drei Sparten, darunter Keebler und Famous Amos, an Hostess Brands, den Besitzer des Fererro-Konzerns ab. Die Transaktion habe einen Wert von 1,3 Milliarden Dollar, teilte das Unternehmen mit. Mit einem Abschluss des Verkaufs wird Ende Juli gerechnet. Die Kellogg-Aktie gab um 2,4 Prozent nach.

Die Lyft-Aktie verlor nach dem fulminanten Börsen-Debüt am Freitag fast 12 Prozent auf 69,01 Dollar und fiel damit unter den Ausgabepreis von 72 Dollar zurück. Nach einem Hoch von 88,60 Dollar hatte der Kurs am ersten Handelstag bereits im weiteren Handelsverlauf einen Teil der Gewinne wieder abgegeben. Der erste Kurs hatte bei 87,24 Dollar gelegen.

Kräftige Kursgewinne verzeichneten die in den USA gelisteten Aktien von Kasinobetreibern, nachdem aktuelle Daten aus dem chinesischen Spielerparadies Macau nicht so schlecht ausgefallen waren wie befürchtet. Im März schrumpften die Glücksspielumsätze dort nur um 0,4 Prozent. Allerdings waren sie im vergleichbaren Vorjahreszeitraum um 22 Prozent gestiegen. Die Analysten von Instinet bezeichnen die diesjährigen März-Daten als insgesamt positiv für die Branche. Unter den Branchenwerten stiegen Wynn Resorts um 8,4 Prozent. Melco Resorts gewannen 8,1 Prozent. MGM Resorts legten um 3,6 Prozent zu und Las Vegas Sands um 3,9 Prozent.

Gute China-Daten beflügeln Ölpreise

Für die Ölpreise ging es mit den überraschend guten Konjunkturdaten ebenfalls nach oben. Zudem stützte weiterhin der am Freitag vermeldete Rückgang der aktiven US-Bohranlagen. Auch ging aus Zahlen der Energy Information Administration (EIA) hervor, dass die US-Ölförderung im Januar um 90 Millionen Barrel je Tag zurückgegangen ist. Es ist der erste Rückgang seit Mai 2018. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI stieg um 2,4 Prozent auf 61,59 Dollar, für Brent ging es um 2,1 Prozent auf 69,01 Dollar nach oben.

Der neu erwachte Konjunkturoptimismus ließ die Anleger einen Bogen um “sichere Häfen” machen. Der Goldpreis sank um 0,3 Prozent auf 1.288 Dollar. Am Anleihemarkt trieben sinkende Notierungen die Zehnjahresrendite um 8,8 Basispunkte auf 2,49 Prozent nach unten.
Der Dollar legte nach dem überraschend guten ISM-Index zu.

Der Euro fiel bis dicht an die Marke von 1,12 Dollar. Im Tageshoch hatte er 1,1250 Dollar gekostet. Das britische Pfund legte vor den neuerlichen Abstimmungen am Montagabend (Ortszeit) im britischen Parlament auf rund 1,3120 Dollar zu. Am Freitag war es nach der Ablehnung der Brexit-Vereinbarung durch das Parlament zeitweise unter 1,30 Dollar gerutscht.



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