50.000 Euro – und nun?: Wie man eine Erbschaft richtig anlegt


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Wie legt man einen unerwarteten Geldsegen richtig an? ETFs können ein Teil der Antwort sein.

(Foto: picture alliance / dpa)

Erben stehen häufig vor dem Luxusproblem, das neue Vermögen vernünftig anzulegen. Doch mit einer Portion Risiko bieten sich attraktive Optionen: Die Renditechancen vieler Weltmärkte lassen sich mit wenig Aufwand ins Portfolio legen.

Der Anleihemanager Pimco hat es jüngst auf den Punkt gebracht: In Europa ziehen japanische Verhältnisse ein. Von nennenswerten Zinsen müssen sich Anleger wohl für lange Zeit verabschieden. In Japan liegen sie schon seit einer Generation auf Niedrigniveau. Auch in Deutschland kennt man sie bald womöglich nur noch vom Hörensagen. Gleichzeitig wird hierzulande Jahr für Jahr reichlich Geld vererbt. Wie sollte man die 50.000 Euro von den Eltern oder Großeltern also in diesen Zeiten anlegen?

Zunächst einmal ist die bittere Wahrheit, dass der risikolose Zins inzwischen auf null gesunken ist: Ohne Risiko gibt es keine Rendite mehr. Kalkuliert man Kontogebühren und die Inflation ein, dann geht sogar Vermögen verloren, wenn man es bei Sparkassen oder Volksbanken parkt. Selbst wenn man sein Geld in den nächsten Jahren also nur erhalten will, klappt das nur mit renditeorientierten Anlagen, am besten mit fixen Ausschüttungen.

Das können zum Beispiel die Mieteinnahmen einer Immobilie sein. Doch wie der Name schon sagt, sind Immobilien unbeweglich und nicht schnell zu Geld zu machen. Das ist bei passiven Aktienfonds (sogenannten ETFs) oder entsprechenden Indexzertifikaten anders. Sie bilden die zugrundeliegenden Märkte eins zu eins ab und können täglich verkauft werden. Anleger, die sich einerseits Verfügbarkeit wünschen, andererseits aber Renditen im mittleren einstelligen Prozentbereich pro Jahr anpeilen, sollten ihr Geld am besten in solche Produkte stecken. 

ETFs: Breite Streuung mit geringem Risiko

Denn eine weltweit breit gestreute Anlage hat im Durchschnitt der letzten 20 bis 30 Jahre in etwa so viel erwirtschaftet: 2018 war zwar ein mieses Aktienjahr, dafür lief es in den Jahren zuvor hervorragend – und Schwankungen muss jeder aushalten, egal ob er nun an den Börsen in China, den USA, in Europa, Japan oder den Schwellenländern investiert. Schon mit fünf Indexzertifikaten oder ETFs lässt sich die Welt ziemlich gut einfangen und der Aktienanteil vergleichsweise breit streuen.

Zu einer guten Mischung gehören ein Indexpapier auf den MSCI World, eines auf die Schwellenländer, ein breit gestreuter Europaindex, ein Produkt mit USA-Bezug und eines mit Blick auf den größten Markt der nächsten Jahrzehnte, China. Für Anleger, die etwas kleinteiliger vorgehen möchten, bieten sich Häppchen von 5.000 Euro je ETF oder Indexzertifikat an statt 10.000 Euro Aufteilung.

“Anleger sollten bei jedem Investment auch ihre persönlichen Bedürfnisse bezüglich Chance und Risiko sowie Anlagedauer in Betracht ziehen”, sagt Heike Fürpaß-Peter, Deutschlandchefin vom ETF-Anbieter Lyxor. In der Aktienwelt kann das bedeuten, gezielt defensive Titel ins Portfolio zu mischen, die hohe Dividendenrenditen haben. Sie federn bei Marktflauten die Risiken ab.

Natürlich kommt es auch darauf an, wie lang das Geld angelegt werden soll. Wer eine Erbschaft im Alter von 50 oder 60 Jahren bekommt, plant möglicherweise nicht mehr mit einem Anlagehorizont von 20 oder mehr Jahren und sollte daher auch andere Märkte wie Anleihen oder Rohstoffe berücksichtigen. “Innerhalb von zehn Jahren können unvorhersehbare Ereignisse an den Aktienmärkten zu großen Verlusten führen, die sich nur über eine längere Zeit wieder aufholen lassen”, erklärt Funda Sertkaya, Geschäftsführerin beim Edelmetallhändler Ophirum. “Staatsanleihen und Gold könnten die defensiven Komponenten in einem überwiegend auf Aktien ausgerichteten Portfolio sein.”



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