“Image negativ besetzt”: Chemnitz sagt sein Stadtfest ab


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Unrühmliche Bilder: Beim Chemnitzer Stadtfest im August zogen Neonazis durch die Stadt. In diesem Jahr soll es das Fest nicht mehr geben.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Stadt Chemnitz fällt ihr rechtes Image auf die Füße: Nach der Messerattacke und den rassistischen Aufmärschen im vergangenen August streicht der Veranstalter das jährliche Stadtfest. Der Chemnitzer FC bekommt derweil Nachhilfe vom DFB.

Ein Jahr nach der tödlichen Messerattacke auf einen 35-Jährigen wird es 2019 in Chemnitz kein Stadtfest geben. Die Chemnitzer Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft mbH (CWE) sagte die für den 23. und 24. August geplante Veranstaltung ab. “Eine Wirtschaftlichkeit sowie der imageprägende und identitätsstiftende Sinn und Zweck eines Stadtfestes” seien nicht mehr gegeben, hieß es in einer Mitteilung auf Facebook.

Grund für die Absage sei, dass das Stadtfest 2018 mit dem Tod des 35-jährigen Daniel H. und den darauf folgenden Ereignissen verbunden worden sei – und somit “das Image dieses Festes nachhaltig negativ besetzt wurde”. Der Mann war im Vorjahr am Rande des Stadtfestes am 26. August mutmaßlich durch zwei Asylbewerber getötet worden. Das hatte in der Stadt fremdenfeindliche Übergriffe, rechte Demonstrationen mit zahlreichen Straftaten wie dem Zeigen des Hitlergrußes sowie Anschläge auf ausländische Restaurants ausgelöst.

Seit vergangenem Montag muss sich ein tatverdächtiger Syrer unter anderem wegen Totschlags vor dem Landgericht Chemnitz verantworten. Ein weiterer Tatverdächtiger, ein Iraker, ist nach wie vor auf der Flucht. Nach ihm wird seit Monaten mit internationalem Haftbefehl gesucht. Auch er soll H. nach Angaben der Ermittler mit einem Messer attackiert haben.

DFB macht Druck auf den Chemnitzer FC

Nach einer Stadionfeier für den verstorbenen Chemnitzer Neonazi-Führer Thomas Haller, der auch bei den rassistischen Umzügen nach dem Messerangriff beteiligt war, meldete sich der Deutsche Fußball-Bund zu Wort: DFB-Vizepräsident Rainer Koch forderte den Chemnitzer FC auf, sich klar von Rassismus zu distanzieren. “Das Strammstehen im Stadion ist mit Trauern nicht zu rechtfertigen”, sagte Koch der Wochenzeitung “Die Zeit”. Er bemängelte dabei,  dass der sächsische Fußball-Regionalligist am 9. März im Stadion eine Gedenkminute für den verstorbenen Hooligan und Rechtsextremisten mitorganisiert hatte.

Dem Club empfahl er eine gezielte Aktion am kommenden Samstag im Rahmen der Partie gegen Budissa Bautzen: “Ich fände es gut, wenn sich der Chemnitzer FC beim nächsten Heimspiel klar gegen Rassismus positionieren würde.” Der 60-Jährige kritisierte zudem die politische Instrumentalisierung von Fußballvereinen: “Ich muss mir oft anhören: Politisiert den Fußball doch nicht so! Dabei übersehen manche, dass sie längst eingespannt wurden, um mithilfe des Fußballs Politik zu machen.” Was rechtsextremistische Tendenzen in der Fanszene angehe, sei er generell ein Anhänger der “Null-Toleranz-Strategie”.



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