Gewinn nach Fed-Entscheid: Trump-Bemerkung bremst Dow wieder aus


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(Foto: REUTERS)

Die US-Börsen erleben einen kräftigen Wachstumsschub, der Entscheidung der Fed sei Dank. Die will die Leitzinsen erstmal nicht mehr anheben. Allerdings drückt US-Präsident Trump mit einer Bemerkung auf die Stimmung.

Die mit Spannung erwarteten Aussagen der US-Notenbank nach deren zweitägigen Beratungen haben den US-Finanzmärkten im Handelsverlauf den Stempel aufgedrückt. Die Aktienkurse zogen ebenso an wie die Anleihekurse, der Dollar fiel deutlich zurück und der Goldpreis stieg. Die Erholung der Aktien ging im Handelsverlauf aber zum Teil wieder verloren, was Beobachter auf Skepsis bezüglich einer baldigen Einigung im Handelsstreit zurückführten.

Dow Jones
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Die Notenbanker wurden zwar überwiegend schon mit einer taubenhaften Tonlage erwartet, hätten aber taubenhafter kaum klingen können: Nicht nur stellten sie eine längere Zinspause in Aussicht und erteilten einer Zinserhöhung im laufenden Jahr quasi eine Absage; darüber hinaus wollen sie bereits im Mai damit beginnen, den Abbau der stark aufgeblähten Bilanz zurückzufahren und diesen im Oktober ganz beenden – ebenfalls ein taubenhaftes Signal für die Märkte, denen dadurch demnächst weniger Liquidität entzogen wird. Eher ein kleiner Wermutstrupfen war in dieser Gemengelage, dass die Währungshüter ihre BIP-Wachstumsprognose für 2019 auf 2,1 von 2,3 Prozent gesenkt haben.

Stimmungsdämpfer Trump

Die US-Aktienindizes, die vor den Verlautbarungen moderat im Minus gelegen hatten, drehten sofort nach oben ab, kamen aber später fast auf das Ausgangsniveau wieder zurück. Dazu dürfte US-Präsident Donald Trump mit beigetragen haben. Er hatte Reportern nämlich gesagt, dass seine Regierung darüber diskutiere, die Zölle auf chinesische Waren für einen “längeren Zeitraum” beizubehalten. “Wir müssen sicherstellen, dass China, wenn wir den Deal mit China abschließen, ihn auch einhält”, fügte er hinzu und weiter, dass der Deal “gut vorankomme”, aber dass die USA “Milliarden und Milliarden” an Zöllen einnähmen. Den Hoffnungen auf eine baldige Einigung im Handelsstreit war dies nicht zuträglich.

Der Dow-Jones-Index ging mit 25.745 Punkten aus dem Tag, 150 Punkte unter dem Tageshoch und 0,5 Prozent niedriger als am Vortag. Die breiteren Indizes S&P-500 und die Nasdaq-Indizes schlugen sich besser. Der S&P gab nur um 0,3 Prozent nach, während der Nasdaq-Composite um 0,1 Prozent zulegte. Umgesetzt wurden an der NYSE (Vortag: 964) Millionen Aktien. Dabei standen den 1.302 (1.173) Kursgewinnern 1.619 (1.763) -verlierer gegenüber, während 98 (90) Titel unverändert schlossen.

Am Devisenmarkt erlitt der Dollar einen Schwächeanfall, der Euro stieg von rund 1,1350 auf zuletzt 1,1430 Dollar, den höchsten Stand seit sechs Wochen. Gleichzeitig fiel der Dollar von 111,50 auf 110,62 Yen. Der Dollarindex, der den Dollar zu einem ganzen Korb von Währungen misst, verlor 0,5 Prozent.

Die Aussicht auf nicht weiter steigende und womöglich sogar bald fallende Zinsen drückte am Anleihemarkt auf die Renditen, die Anleihekurse zogen also an. Die Zehnjahresrendite fiel von zuvor 2,59 auf 2,54 Prozent zurück. Der Goldpreis stieg, weil das zinslose Gold relativ an Attraktivität gewinnt – beispielsweise gegenüber Anleihen. Die Feinunze verteuerte im Verlauf von 1.300 auf zuletzt 1.313 Dollar.

Bankaktien fallen zurück

Während es am Aktienmarkt auf breiter Front nach den geldpolitischen Aussagen nach oben ging, fielen Bankaktien zurück. Das absehbar weiter erhalten bleibende Niedrigzinsumfeld erschwert den Geldhäusern das Kreditgeschäft bzw macht es weniger lukrativ. Der S&P-500-Bankindex verlor 2,7 Prozent.

Nicht gefragt waren auch Autoaktien. Wie schon in Europa lagen sie auch in den USA am Ende. Der S&P-500-Autoindex verlor 2,8 Prozent. Für GM ging es um 3,3 Prozent abwärts, für Ford um 2,2 Prozent und für Fiat Chrysler um 1,8 Prozent. In Europa hatte unter anderem ein enttäuschender Ausblick von BMW belastet. Übergeordnet herrscht im Autosektor weiter große Unsicherheit mit Blick auf die Kosten der Umstellung auf Elektromobilität und Digitalisierung sowie die Nachfrageentwicklung. Ford teilte mit, bis zu 900 Millionen Dollar dafür investieren zu wollen, ein Fertigungswerk in Michigan umzuwandeln in die US-Basis für Elektro-Fahrzeuge.

Google-Aktie steckt Milliardenstrafe locker weg

Dass Google wegen wettbewerbswidriger Praktiken in der EU erneut eine Milliardenstrafe zahlen muss – diesmal von 1,49 Milliarden Euro – , steckte die Aktie problemlos weg. Der Kurs der Google-Mutter Alphabet stieg sogar kräftig um 2 Prozent. Google will die Strafe im ersten Quartal verbuchen, hat sich bislang aber nicht weiter dazu geäußert. Analysten erklärten die auf den ersten Blick überraschende Kursreaktion damit, dass Alphabet in Liquidität quasi schwimme und nannten eine Summe von 109 Milliarden Dollar.

Unerwartet stark gesunkene US-Ölvorräte sorgten für Auftrieb bei den Ölpreisen. Mit einem Minus von annähernd 10 Millionen Barrel fiel der Rückgang rund 12 mal so hoch aus, wie Experten im Vorfeld geschätzt hatten. Das privaten American Petroleum Institute (API) hatte am Vorabend einen Rückgang um 2,1 Millionen gemeldet. Der WTI-Preis legte um 1,8 Prozent zu auf 60,12 Dollar, Brentöl verteuerte sich um 1,2 Prozent zu auf 68,43 Dollar. WTI ist damit so teuer wie zuletzt im November 2018. Technisch orientierte Marktteilnehmer sehen Widerstände für die Preise bei 60 bzw 70 Dollar.



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